Vaginale Trockenheit (umgangssprachlich Scheidentrockenheit) wird oft nur mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht. Tatsächlich kann sie in jedem Alter auftreten: in der Stillzeit, mit hormoneller Verhütung, durch bestimmte Medikamente, bei Stress oder durch die falsche Intimpflege. Viele sprechen nicht darüber, obwohl sie Alltag und Intimität spürbar beeinflussen kann. In diesem Beitrag erfährst du, was hinter vaginaler Trockenheit steckt, welche Ursachen häufig sind, woran du sie erkennst und wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist.
Was ist vaginale Trockenheit?
Die Vagina hält normalerweise eine dünne Schicht Feuchtigkeit aufrecht. Sie entsteht aus Sekreten der Schleimhaut und der Drüsen am Vaginaleingang und hält das Gewebe elastisch und geschmeidig. Bei Erregung nimmt die Feuchtigkeit zusätzlich zu. Wird weniger Feuchtigkeit gebildet oder ist die Schleimhaut dünner als sonst, fühlt sich das Gewebe trocken an, wird empfindlicher und reagiert schneller mit Reizung. Ein wichtiger Faktor ist das Hormon Östrogen: Es trägt dazu bei, dass die Vaginalschleimhaut gut durchblutet, dick und feucht bleibt. Viele Ursachen vaginaler Trockenheit hängen deshalb mit einem niedrigeren Östrogenspiegel zusammen, aber längst nicht alle.
Häufige Ursachen
Oft kommen mehrere Faktoren zusammen. Die folgenden Ursachen werden in medizinischen Quellen am häufigsten genannt.
Wechseljahre und Perimenopause
In der Perimenopause und nach der Menopause bilden die Eierstöcke nach und nach weniger Östrogen. Die Vaginalschleimhaut wird dadurch dünner, weniger elastisch und produziert weniger Feuchtigkeit. Die Veränderungen an Vagina, Vulva und Harntrakt in dieser Lebensphase werden als genitourinäres Syndrom der Menopause (GSM) zusammengefasst. Anders als Hitzewallungen, die mit der Zeit oft nachlassen, bleibt vaginale Trockenheit nach der Menopause bei vielen bestehen.
Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit
Auch nach einer Geburt sinkt der Östrogenspiegel deutlich, besonders während des Stillens. Das Hormon Prolaktin, das die Milchbildung steuert, hält den Östrogenspiegel niedrig. In einer Befragung gaben stillende Frauen sechs Wochen nach der Geburt deutlich häufiger vaginale Trockenheit an als Frauen, die nicht stillten (Agarwal et al., 2015). Für die Beschwerden rund um die Stillzeit hat sich inzwischen der Begriff genitourinäres Syndrom der Laktation eingebürgert. Viele wissen nicht, dass Trockenheit oder Schmerzen beim Sex in dieser Zeit einen hormonellen Hintergrund haben können.
Hormonelle Verhütung und bestimmte Medikamente
Hormonelle Verhütungsmittel verändern den natürlichen Hormonhaushalt und können bei manchen Menschen die vaginale Feuchtigkeit verringern. Das betrifft nicht alle, und die Erfahrungen unterscheiden sich je nach Methode stark. Auch andere Medikamente, zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, können die Schleimhäute trockener machen. Wenn du vermutest, dass ein Medikament die Ursache ist, setz es nicht eigenständig ab, sondern sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber.
Wenig Erregung, Stress und Anspannung
Feuchtigkeit beim Sex entsteht durch Erregung. Ist die Erregung gering, etwa weil zu wenig Zeit für Nähe bleibt, Stress im Kopf ist oder Schmerzen befürchtet werden, bleibt auch die Feuchtigkeit gering. Das ist keine Störung, sondern eine normale Reaktion des Körpers, und sie kann sich von Situation zu Situation unterscheiden.
Intimpflege, Seifen und Spülungen
Die Vagina reinigt sich selbst. Parfümierte Seifen, Waschlotionen, Intimsprays oder Vaginalspülungen können die empfindliche Schleimhaut reizen und austrocknen. Für den äußeren Intimbereich reicht in der Regel klares Wasser.
Operationen und Erkrankungen
Werden bei einer Operation die Eierstöcke entfernt, sinkt der Östrogenspiegel abrupt, ähnlich wie in den Wechseljahren, nur ohne Übergangszeit. Auch bestimmte medizinische Behandlungen, die in den Hormonhaushalt eingreifen, können vaginale Trockenheit auslösen. Daneben werden einige Erkrankungen mit trockenen Schleimhäuten in Verbindung gebracht, etwa Diabetes oder das Sjögren-Syndrom, eine Autoimmunerkrankung, die Drüsen im ganzen Körper betrifft.
Häufige Anzeichen
Vaginale Trockenheit zeigt sich nicht bei allen gleich. Typisch ist ein Gefühl von Trockenheit, Brennen, Jucken oder Wundsein in und um die Vagina. Manche bemerken die Beschwerden vor allem beim Sex, weil die Reibung stärker ist und Penetration unangenehm oder schmerzhaft wird. Die dünnere Schleimhaut kann empfindlicher auf kleine Einrisse reagieren, was zu leichten Blutungen nach dem Sex führen kann. Bei einem niedrigen Östrogenspiegel kann zusätzlich der Harntrakt betroffen sein, etwa mit häufigerem Harndrang oder wiederkehrenden Harnwegsinfekten.
Vaginale Feuchtigkeitscremes vs. Gleitmittel: Was ist der Unterschied?
Auch wenn vaginale Feuchtigkeitscremes und Gleitmittel oft zusammen erwähnt werden, sind sie für unterschiedliche Zwecke bestimmt. Vaginale Feuchtigkeitscremes sind für die regelmäßige Anwendung unabhängig von sexueller Aktivität vorgesehen. Gleitmittel sind zur Anwendung während sexueller Aktivität bestimmt und verringern dabei die Reibung. Wasserbasierte Gleitmittel lassen sich in der Regel mit Kondomen und mit Geräten aus Silikon verwenden, etwa Beckenbodentrainern oder Sexspielzeug. Silikonbasierte Gleitmittel bleiben meist länger gleitfähig, sind aber nicht für Geräte aus Silikon geeignet. Maßgeblich ist jeweils die Gebrauchsanweisung des Geräts. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung der richtige Weg.
Wann du mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen solltest
Ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt lohnt sich, wenn die Trockenheit über einige Wochen anhält, dich im Alltag oder beim Sex belastet oder du nicht weißt, woher sie kommt. Abklären lassen solltest du außerdem ungewöhnlichen Ausfluss, Blutungen nach dem Sex, Blutungen zwischen den Perioden oder nach der Menopause sowie wiederkehrende Harnwegsinfekte. Gemeinsam lässt sich klären, welche Ursache bei dir infrage kommt, ob ein Medikament eine Rolle spielt und welche Möglichkeiten für deine Situation passen.
Fazit
Vaginale Trockenheit ist häufig und hat viele mögliche Ursachen: hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren oder der Stillzeit, Verhütung und Medikamente, Stress, Intimpflege oder bestimmte Erkrankungen. Du kannst offen darüber sprechen, und zu wissen, was dahintersteckt, macht das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt leichter.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden, wiederkehrenden oder belastenden Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere Fachperson.
Möchtest du mehr erfahren? Sieh dir die Quellen zu diesem Artikel an.
Agarwal, S. K., Kim, J., Korst, L. M., et al. (2015). Application of the Estrogen Threshold Hypothesis to the Physiologic Hypoestrogenemia of Lactation. Breastfeeding Medicine, 10(2), 77-83. doi.org/10.1089/bfm.2014.0030
Inwald, E. C., Albring, C., Baum, E., et al. (2021). Perimenopause and Postmenopause: Diagnosis and Interventions. Guideline of the DGGG and OEGGG (S3-Level, AWMF Registry Number 015-062). Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 81(6), 612-636. doi.org/10.1055/a-1361-1948
Kingsberg, S. A., Krychman, M., Graham, S., et al. (2017). The Women's EMPOWER Survey: Identifying Women's Perceptions on Vulvar and Vaginal Atrophy and Its Treatment. The Journal of Sexual Medicine, 14(3), 413-424. doi.org/10.1016/j.jsxm.2017.01.010
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Wasnik, V. B., Acharya, N., & Mohammad, S. (2023). Genitourinary Syndrome of Menopause: A Narrative Review Focusing on Its Effects on the Sexual Health and Quality of Life of Women. Cureus, 15(11), e48143. doi.org/10.7759/cureus.48143