Schmerzen beim Sex: Die häufigsten Ursachen im Überblick

Schmerzen beim Sex: Die häufigsten Ursachen im Überblick - LOVYN

Schmerzen beim Sex sind häufiger, als viele denken, und trotzdem spricht kaum jemand darüber. In der ersten repräsentativen Studie zur sexuellen Gesundheit in Deutschland gab etwa jede zehnte befragte Frau an, in den vergangenen zwölf Monaten Schmerzen oder Verspannungen beim Sex erlebt zu haben (Briken et al., 2020). Die Schmerzen können am Eingang der Vagina (umgangssprachlich Scheide) auftreten, tief im Becken oder an beiden Stellen. Auch Männer können Schmerzen beim Sex haben, hier geht es um Schmerzen bei Menschen mit Vagina. In diesem Beitrag erfährst du, welche Ursachen häufig dahinterstecken, wie sie sich unterscheiden und wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist.

Was bedeutet Dyspareunie?

Der medizinische Begriff für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ist Dyspareunie. Gemeint sind Schmerzen, die vor, während oder nach dem Sex auftreten und immer wieder vorkommen. Fachleute unterscheiden grob zwei Formen: oberflächliche Schmerzen am Vaginaleingang, oft beim Eindringen, und tiefe Schmerzen im Becken, die eher bei tiefer Penetration spürbar sind. Diese Unterscheidung ist hilfreich, weil sie Hinweise auf mögliche Ursachen gibt. Dyspareunie ist keine eigene Erkrankung, sondern ein Beschwerdebild, hinter dem ganz unterschiedliche Ursachen stehen können. Oft wirken auch mehrere zusammen.

Häufige Ursachen

Ein verspannter Beckenboden

Der Beckenboden muss sich beim Sex entspannen können. Ist die Muskulatur dauerhaft angespannt, sprechen Fachleute von einem überaktiven oder hypertonen Beckenboden. Penetration kann dann brennen, ziehen oder tief im Becken schmerzen, manchmal auch noch danach. Häufig kommen weitere Beschwerden hinzu, etwa häufiger Harndrang, Schwierigkeiten beim Entleeren von Blase oder Darm oder ein Druckgefühl im Becken. Wie Anspannen und Loslassen im Beckenboden zusammenspielen, erklären wir im Beitrag „Beckenboden entspannen“.

Vaginismus

Bei Vaginismus verkrampft sich die Muskulatur rund um die Vagina unwillkürlich, sobald Penetration erwartet oder versucht wird. Das betrifft nicht nur den Sex, sondern oft auch das Einführen eines Tampons oder gynäkologische Untersuchungen. Die Reaktion lässt sich nicht willentlich steuern. Angst vor Schmerz und frühere schmerzhafte Erfahrungen können sie verstärken, sie ist aber keine Einbildung, sondern eine echte körperliche Schutzreaktion. Vaginismus tritt manchmal zusammen mit anderen Ursachen auf, etwa einem verspannten Beckenboden oder Vulvodynie.

Vaginale Trockenheit und hormonelle Veränderungen

Ist die Vagina zu trocken, steigt die Reibung, und Sex kann unangenehm oder schmerzhaft werden. Häufig steckt ein niedriger Östrogenspiegel dahinter, etwa in den Wechseljahren oder in der Stillzeit. Die Schleimhaut wird dann dünner und empfindlicher. Auch wenig Erregung, bestimmte Medikamente oder Intimpflegeprodukte können eine Rolle spielen. Mehr dazu liest du im Beitrag „Vaginale Trockenheit“.

Infektionen und Entzündungen

Entzündungen von Vagina, Vulva oder Harnwegen machen das Gewebe empfindlicher. Häufige Beispiele sind Vaginalpilz, bakterielle Vaginose, Harnwegsinfekte und sexuell übertragbare Infektionen. Oft kommen weitere Anzeichen hinzu, etwa ungewohnter Ausfluss, Jucken, Brennen, ein veränderter Geruch oder Schmerzen beim Wasserlassen. Wie eine bakterielle Vaginose entsteht, erklären wir im Beitrag „Bakterielle Vaginose (BV)“.

Vulvodynie und Vestibulodynie

Von Vulvodynie sprechen Fachleute, wenn Schmerzen an der Vulva mindestens drei Monate anhalten, ohne dass eine klare Ursache wie eine Infektion oder Hauterkrankung zu finden ist. Die häufigste Form ist die Vestibulodynie: Schmerzen am Vaginaleingang, die durch Berührung oder Druck ausgelöst werden, etwa beim Sex, beim Einführen eines Tampons oder bei einer Untersuchung. Beschrieben wird oft ein Brennen, Stechen oder Wundgefühl. Weil die Haut dabei häufig unauffällig aussieht, wird Vulvodynie mitunter lange nicht erkannt.

Hauterkrankungen der Vulva

Auch Hauterkrankungen im Intimbereich können Sex schmerzhaft machen. Eine der häufigsten ist Lichen sclerosus, eine chronisch entzündliche Erkrankung, bei der die Haut der Vulva dünn und empfindlich wird und leichter einreißt. Andere Ursachen sind etwa Ekzeme oder Reaktionen auf Duftstoffe, Seifen oder Materialien. Typisch sind Jucken, Brennen oder ein Wundgefühl, auch unabhängig vom Sex.

Endometriose und andere gynäkologische Ursachen

Tiefe Schmerzen beim Sex können mit Erkrankungen im Becken zusammenhängen. Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter, etwa an den Eierstöcken oder am Bauchfell. Neben Schmerzen beim Sex gehören starke Regelschmerzen, chronische Unterbauchschmerzen sowie Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen zu den möglichen Anzeichen. Bis zur Diagnose vergehen oft Jahre. Auch Myome, Zysten an den Eierstöcken oder eine Entzündung im Becken können tiefe Schmerzen auslösen.

Blasenschmerzsyndrom

Beim Blasenschmerzsyndrom, auch interstitielle Zystitis genannt, bestehen anhaltende Schmerzen oder Druck im Bereich der Blase, oft mit häufigem Harndrang, ohne dass eine Infektion vorliegt. Weil Blase, Beckenboden und Vagina eng beieinanderliegen, verstärken sich die Beschwerden bei vielen während oder nach dem Sex.

Nach einer Geburt oder Operation

Nach einer Geburt oder einer Operation im Becken braucht Gewebe Zeit, um zu heilen. Narben, Dammverletzungen oder eine veränderte Spannung im Beckenboden können den Sex eine Zeit lang unangenehm machen. In der Stillzeit kommt oft eine hormonell bedingte Trockenheit hinzu. Vieles bessert sich in den Monaten danach. Halten die Schmerzen an, ist eine Abklärung sinnvoll.

Stress, Angst und frühere Erfahrungen

Wie wir Schmerz erleben, hängt auch vom Nervensystem und von unseren Erfahrungen ab. Stress, Angst vor Schmerz, Konflikte in der Beziehung oder belastende Erlebnisse können die Muskulatur anspannen, die Erregung verringern und die Schmerzempfindlichkeit erhöhen. Das heißt nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Körper und Psyche wirken zusammen, und oft verstärken sie sich gegenseitig: Wer Schmerz erwartet, spannt sich an, und Anspannung kann neuen Schmerz auslösen.

Wann du mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen solltest

Sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn Schmerzen beim Sex immer wieder auftreten, über längere Zeit bestehen oder dich belasten. Zeitnah abklären lassen solltest du Schmerzen zusammen mit Fieber, ungewöhnlichem Ausfluss, Blutungen nach dem Sex oder zwischen den Perioden, starken Unterbauchschmerzen oder neuen Veränderungen der Haut im Intimbereich. Auch leichte Beschwerden sind ein legitimer Grund für ein Gespräch.

Wie die Ursache abgeklärt wird

Am Anfang steht meist ein Gespräch: Wo genau tut es weh, wann tritt der Schmerz auf, seit wann besteht er, und gibt es weitere Beschwerden? Danach folgt in der Regel eine gynäkologische Untersuchung, manchmal ergänzt durch einen Abstrich oder Ultraschall. Je nach Ursache können verschiedene Fachrichtungen beteiligt sein, etwa Gynäkologie, Urologie, Dermatologie, Beckenboden-Physiotherapie oder Sexualtherapie. Welcher Weg für dich passt, klärst du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Fazit

Schmerzen beim Sex haben viele mögliche Ursachen: einen verspannten Beckenboden, Vaginismus, Trockenheit, Entzündungen, Erkrankungen der Haut oder im Becken, die Zeit nach einer Geburt und auch Stress oder frühere Erfahrungen. Oft wirken mehrere Faktoren zusammen. Du kannst offen darüber sprechen, und zu wissen, was dahinterstecken kann, macht das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt leichter.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden, wiederkehrenden oder belastenden Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere Fachperson.

Möchtest du mehr erfahren? Sieh dir die Quellen zu diesem Artikel an.

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